image slideshow

11.08.

21:30

7.-/6.- €

Kino: "gefühlvoll, spannend, traurig, mitreißend"

Die Wolke

(Gregor Schnitzler, D 2006, 102 Min, FSK: ab 12)

Die Wolke ist eine dramatische Liebesgeschichte und die packende Verfilmung des preisgekrönten Bestsellers von Gudrun Pausewang (Ravensburger Buchverlag). Der Film ist mit dem Prädikat "besonders wertvoll" ausgezeichnet und erhielt den Bayerischer Filmpreis 2006. Gedreht wurde u. a. in der Umgebung von Fulda, die Hauptrollen des Dramas spielen Paula Kalenberg (außergewöhnlich!), Franz Dinda, Hans-Laurin Beyerling und Richy Müller. Regie: Gregor Schnitzler ("Was tun, wenn´s brennt", Soloalbum)

Der Film zeigt eine nukleare Katastrophe mitten in Deutschland: Bei einem Störfall im nahe gelegenen Kernkraftwerk (Schweinfurt?) wurde eine erhebliche Menge an Radioaktivität freigesetzt – Panik, Chaos und Anarchie breiten sich aus, die Menschen versuchen vor der radioaktiven Wolke zu fliehen. Gefangen in diesem nuklearen Albtraum ist Hannah (Paula Kalenberg). Sie nimmt das Publikum mit auf ihre Odyssee, bei der sie – plötzlich völlig auf sich alleine gestellt – versucht, dem Horror zu entkommen und ihre große Liebe Elmar (Franz Dinda) zu finden. Eine bewegende, einfühlsam inszenierte Geschichte über die Hoffnung wider alle Vernunft, den unbändigen Willen zu leben und eine Liebe, die auch noch vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe versucht, alle Widerstände zu überwinden.

"DIE WOLKE ist ein Film, dem man sich nicht entziehen kann – gerade weil er kein reißerischer Film ist. Statt im genreüblichen Katastrophen-Voyeurismus zu schwelgen, zeichnet er mit feinem Strich ein eindringliches Bild der menschlichen Folgen, die ein atomares Großunglück hinterlässt (…) Film und Buch führen das ungeheuerliche  Geschehen am Schicksal eines mutigen jungen Mädchens vor. Hannah, die sich gerade verliebt hat, wird von der Reaktorkatastrophe überrollt. Sie wird zum Opfer, aber sie überlebt (…) Stoff nicht zuletzt für eine kontroverse, aktuelle Diskussion. Denn das Thema Kernkraft gewinnt gegenwärtig wieder an Brisanz." (Auszug aus dem FILMHEFT – Kulturfiliale, Vera Conrad und die Autoren Regine Jabin und Ulrich Steller)

„Schnitzler erfasst ganz und gar, wie ein solcher GAU auf die Bevölkerung wirkt und wie der Kampf ums Überleben aus Menschen Unmenschen macht. Und dennoch zeigt er inmitten des Elends und der Gefahr auch Akte des Humanismus, die uns klarmachen, dass die Spezies Mensch ihres Rufes zum Trotz doch einen guten Kern besitzt. ‚Die Wolke‘ ist herausragendes deutsches Kino: gefühlvoll, spannend, traurig, mitreißend. Fazit: herausragendes Drama, dicht inszeniert.“ (Movieman.de)

„Kernenergie für die ganze Welt? Das fordern ausgerechnet die Marktradikalen, die so viele Länder ins Verderben gestürzt haben.“ (Grandseigneur Erhard Eppler in der SZ – http://www.sueddeutsche.de/politik/900/302896/text)

Interview mit Gregor Schnitzler (Auszug aus MovieGod.de):

„Der Roman stammt aus dem Jahr 1987. Warum, glaubst du, hat es so lange gedauert, bis der Stoff endlich verfilmt wurde?“

„Zum einen gab es damals zur Zeit, in der die Katastrophe von Tschernobyl passiert ist, zwei Lager: pro und contra Atomkraft, und so wurde auch gedacht. Da schien es nicht üblich, einen Katastrophenfilm aus dem Stoff zu machen. Außerdem gab es damals kaum politische Filme und auch wenig Publikum dafür. Nun haben wir ‚Die Wolke‘ bewusst zum 20. Jahrestag der Tragödie ins Kino gebracht, um das Publikum wieder zu sensibilisieren. Wir sind jetzt in einen Sog der Atom-Thematik hineingeraten. Bestimmte Politiker wollen wieder eine Renaissance der Atomkraft, der Ausstieg soll doch später stattfinden. Und seit dem 11. September ist die Sicherheit der Kernkraftwerke noch weniger gegeben: Keines davon ist vor einem Terroranschlag geschützt. Man weiß, dass einige Al Quaida-Terroristen AKWs als potentielle Ziele für einen Anschlag sehen und so ist die Problematik heute noch aktueller. Ich finde das sehr gut, dass mit dem Film wieder ein neuer Gedankenimpuls gesetzt wird, da wir alle – mich eingeschossen – dazu tendieren, solche Gefahren zu verdrängen.“

„Es gibt trotz des Super-GAUs in Tschernobyl noch immer Leute, die meinen, dass der Film reine Fiktion sei und ein Unfall, wie er im Film stattfindet, nie in Deutschland passieren könne. Was sagst du dazu?“

„Es gibt so viele Störfälle (Anmerkung: Alleine 2004 gab es in Deutschland 114 meldepflichtige Störfälle in Kernkraftwerken), die zeigen, dass Kernkraftwerke nicht so sicher sind. Spätestens die Tsunami-Katastrophe in Asien hat verdeutlicht, dass der Mensch nicht alles vorhersehen kann. Das ist nun mal so, sonst wären dabei nicht so viele Menschen gestorben. Außerdem ist der Faktor ‚menschliches Versagen‘ immer da. Wenn jemand im Flugzeug einen Fehler macht und es dann abstürzt, ist das eine sehr lokalisierte Katastrophe. Fliegt ein AKW in die Luft, dann ist das unkalkulierbar. Man kalkuliert hier mit einer Sicherheit, mit der man eigentlich nicht rechnen kann – und sollte.“

http://www.die-wolke.com