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Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte

3. August – 21:30

 

Kino: „Inventur der Launen und Strafen, von Irrsinnigen der Obrigkeit, Ordnungsverrückten und Zensur verübt“

 

Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte

(Regie: Michael Haneke, Deutschland / Österreich / Frankreich / Italien 2009, 144 Min., FSK: ab 12)

 

Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. 1913/14. Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr, Pfarrer, Gutsverwalter, Hebamme, Arzt, Bauern – ein Querschnitt eben. Seltsame Unfälle passieren und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter?

 

Der Koproduzent Bayerischer Rundfunk schreibt über den Film: „Regisseur Michael Haneke ist der Analyst des Bösen: Seine Filme legen den Finger in die Wunde, zwingen zur schmerzhaften Auseinandersetzung. So auch sein jüngstes Werk ,Das weiße Band‘. Das Psychogramm einer Dorfgemeinschaft wurde in zwei Kategorien für den Oscar nominiert. Michael Haneke, Gewaltforscher des Kinos par excellence, demonstriert in technisch brillantem, entschärftem Schwarz-Weiß die emotionalen Eruptionen struktureller Gewalt und den Verlust von Unschuld. Dieser Film ist nur dem flüchtigen Anschein nach weniger brutal und offensiv als ,Die Klavierspielerin‘ oder ,Funny Games‘. Die in ,Das weiße Band‘ porträtierte wilhelminische Gesellschaft erstickt an ihren Regeln und ihrer Rigidität. Alles hat seine mitunter grausame Ordnung: die Trennung sozialer Schichten, die Gefühlskälte, die alltäglichen Demütigungen in dysfunktionalen Familien, in denen Kinder die Hand der Eltern küssen oder weiße Bänder als Zeichen einer wiederzuerlangenden Reinheit tragen müssen. ,Das weiße Band‘ ist ein Abgesang auf eine Gesellschaft, die auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs verschwand, und eine Generation, die unter Hitler als Schergen aufstieg. Auch wenn der Regisseur keine spezifische Beziehung zwischen seinem Film und dem Faschismus ziehen möchte und auf Allgemeingültigkeit pocht – die Saat des Bösen ging auf, der Untertanengeist fand seine Entsprechung in der Nazi-Diktatur. Haneke ist ein perfektionistischer Künstler, der nichts dem Zufall überlässt und hier in klassisch narrativer Form ein bis ins kleinste Detail genaues Zeit- und Sittengemälde mit den von ihm gewohnten dunklen Untertönen zeichnet – den unvermeidlichen Weg in die Katastrophe – ein verstörendes und beklemmendes Meisterwerk.“

 

,,Man könnte Das weiße Band (…), diese stille Folterballade in Schwarzweiß, angesiedelt am Vorabend des Ersten Weltkriegs, ein Historiendrama nennen. Man sollte aber nicht darauf hoffen, dass der Film den momentan gültigen Regeln des Genres folgt. Regisseur Michael Haneke zwingt uns dazu, das Sehen neu zu lernen.“ (Der Spiegel)

„Michael Haneke hat liebevoll die Atmosphäre der Zeit restauriert, in subtilem Schwarzweiß, ihre Bauten, Versatzstücke, Gesichter, inspiriert von August Sander und all den anderen Fotografen vom Anfang des Jahrhunderts. Aber dann atmen seine wunderbar komponierten Bilder immer auch die Trockenheit all der psychologischen und soziologischen Studien, die Michael Haneke und seine Mitarbeiter gewälzt haben, all die verruchten Bände der Schwarzen Pädagogik, die Studien zur Gewalt in der Erziehung und wie sie den Charakter ins Autoritäre, ins Totalitäre verbiegt.“ (Süddeutsche Zeitung)

„Die Ernsthaftigkeit der mise en scène steht dabei manchmal in einem merkwürdigen Kontrast dazu, dass den Geheimnissen, die unter der Oberfläche der Wohlanständigkeit lauern, etwas Vorhersehbares eignet. Beeindruckend geraten Michael Haneke vor allem die Bilder des Widerstands: Aus Wut auf den Baron verwüstet ein Bauernbursche mit der Sense ein Kohlfeld; die Tochter des Pfarrers tötet dessen Wellensittich mit einer Schere. Die Leiche des Vogels ordnet sie zusammen mit der Schere auf dem Schreibtisch des Vaters so an, dass ein Kreuz entsteht.“ (TAZ)

http://de.wikipedia.org/wiki/Das_weiße_Band_–_Eine_deutsche_Kindergeschichte