Marianne Faithfull feat. Vincent Ségal
24. Juli – 20:30
Lesung mit Musik (plus Film): "one of the most fantastic broken voices"
Marianne Faithfull feat. Vincent Ségal (England, Frankreich)
Präsentiert mit freundlicher Unterstützung von das boot, Würzburg und Schlosshotel Steinburg, Würzburg
Der erste, vom Manager der Stones produzierte und von Jagger/Richards geschriebene Titel „As Tears Go By“ und die Beziehung zu Mick Jagger prägten Marianne Faithfull als Pop-Ikone. Bis heute gilt sie als eines der Gesichter und eine der Stimmen der Swinging Sixties im hippen London der Mitt- und End-Sechziger. Ihr exzentrisches und in früheren Jahren mit einer schaudernden Intensität geführtes Leben stand nicht nur einmal auf des Messers Schneide – gezeichnet durch Drogensucht, Obdachlosigkeit, gesundheitliche und persönliche Tiefschläge. Trotzdem feiert sie mit ihren melancholisch nachdenklichen wie träumerisch zornigen Veröffentlichungen und Projekten über die Jahrzehnte hinweg kontinuierlich Erfolge. Ihre Stimme hat sich in den 70-ern in ein dunkles und rauhes Instrument verwandelt, bis heute ein unverkennbares und unverwechselbares Markenzeichen in der Welt der Musik, des Theaters und des Films (siehe z. B. „Intimacy“, „Far from China“, „Paris je t'aime“, „Marie Antoinette“ oder z. B. auch „The Black Rider“ in Zusammenarbeit mit Robert Wilson). Nach all den temporären Höhen und Tiefen und einem Leben auf der Kippe gilt sie heute als eine der ausdrucksstärksten englischen Künstlerinnen der letzten Jahrzehnte.
Herausragend sind auch ihre Werke der jüngsten Zeit, beispielsweise die CD „Easy Come, Easy Go“ (eine weitere Zusammenarbeit mit dem Produzenten Hal Willner sowie mit Beiträgen von Keith Richards, Marc Ribot, Antony Hegarty, Jarvis Cocker, Rufus Wainwright, Nick Cave, Sean Lennon, Cat Power u. a.) oder auch die Hauptrolle in ihrer letzten Filmproduktion „Irina Palm“. Kooperationen gab es in der Vergangenheit auf musikalischer Seite u. a. mit Künstlern wie Rolling Stones, Beatles, Damon Albarn/Blur, Roger Waters, P. J. Harvey, Angelo Badalamenti, Beck, David Bowie, Metallica, Sly and Robbie, Tom Waits.
Die Lesung beim Hafensommer in Verbindung mit dem illustren Cellisten Vincent Ségal (Bumcello, l'Ensemble intercontemporain, Elvis Costello, Cesaria Evora, Papa Wemba, Naná Vasconcelos …) bringt uns Faithfulls Leidenschaft für William Shakespeares Sonette näher, die ein bis heute ungelöstes Rätsel der Weltliteratur offenbaren und für die Literaturgeschichte eine unschätzbare Quelle von Poesie, Raffinesse, klanglicher Schönheit und formaler Konsequenz darstellen. Wenige Künstler können eine solche Intimität schaffen wie Marianne Faithfull. Wie die größten Liedinterpreten hat sie eine seltene Fähigkeit, jede Lyrik in etwas Fesselndes und ganz und gar Persönliches zu überführen … Und egal ob diese Stimme spricht, singt oder liest: Sie zieht den Hörer unausweichlich in den Bann.
„Hier betrat eine umwerfend gutaussehende Diva den zur Bühne umdekorierten Altar der Schinkelkirche. (…) Für die Musik war der um einiges jüngere Franzose Vincent Ségal zuständig. Abwechselnd mit Faithfulls mal raunend rauchig, mal kühl rhythmisierendem Vortrag traktierte er sein elektronisch verstärktes Cello, strich wehmütige Disharmonien hervor, die sich in moderiger Melancholie auflösten, ließ trübsinnige Bauerntölpel durchs Ende des Mittelalters trappeln oder finster wirbelnde Traumstrudel aufsteigen. (…) Auch in Faithfulls sonorem Rezitativ selbst klang die bluesige Abgeklärtheit ihrer Balladen nach. (…) Obgleich die Sonette von nichts anderem handeln als von Liebe, Verlust, von Sehnsucht, Schande und gebroch'ner Treue (man wundert sich schon, wie wild zu Shakespeares Zeiten herumgehurt, betrogen, ausgespannt worden sein muss), kam in Faithfulls Vortrag nie verschmonzte Romantik auf. (…) Faithfull intonierte die melancholische Abgründigkeit dieser Sonette Shakespeares so ehern unsentimental und spröde, dass sie ganz zeitgemäß, ja modern wirken. Es sind alles Gefühle unserer Welt, so nah, so niedrig und so erhaben. Als hätte Marianne Faithfull ihre Melodien schon immer gesungen. (…) Die ehemalige Klosterschülerin aber ging nicht ins Wasser, sie hat ihre Abgründe überlebt, sie schwimmt auf den Strömen und taucht immer wieder woanders erneut und erneuert auf. Ihr Publikum war ergriffen – und reagierte, dem Ort gänzlich unangemessen, mit Pfiffen, Trampeln und Johlen. Und Faithfulls Shakespeare-Sound hallte nach bis Berlin.“ (Berliner Zeitung, Sabine Vogel)
„one of the most challenging and artful of women artists“ (Alanna Nash)
http://www.mariannefaithfull.org.uk
Im Anschluss: Kino: Irina Palm (Regie: Sam Garbarski, 2007, 99 Min., FSK: ab 12)
Sam Garbarski hat diesen wunderbar tragikomischen Film als Koproduktion von fünf Ländern (Belgien, Luxemburg, Großbritannien, Deutschland und Frankreich) in die Kinos gebracht. Die Hauptrollen spielen Marianne Faithfull und Miki Manojlović. Der Film war erstmals während der Berlinale am 13. Februar 2007 auf der Leinwand zu sehen und Marianne Faithfull erhielt bei dieser Welturaufführung 20 Minuten lang stehende Ovationen.
„,Irina Palm‘ von Sam Garbarski. Selbstbewusstsein kann so viele Quellen haben und es ist nie zu spät. (…) Und wie diese Frau spricht. Als wenn Marianne Faithfull singt.“ (Der Tagesspiegel)







