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Die Lange Kino-Nacht: Der amerikanische Freund & Palermo Shooting

13. August – 20:30

 

Die Lange Kino-Nacht: “Wim Wenders und Dennis Hopper, im Wandel von 30 Jahren“

Einen alten und einen recht jungen Klassiker schuf Regisseur Wim Wenders zusammen mit dem Schauspieler Dennis Hopper: „Der amerikanische Freund“ und „Palermo Shooting“ erinnern an einen großen Star. Der Schauspieler, Regisseur, Fotograf und Maler Dennis Hopper, im Grunde eher eine Nonkonformist und Rebell, erlag am 29. Mai 2010 in Los Angeles mit 74 Jahren einem Krebsleiden.

 

Der amerikanische Freund

(Regie: Wim Wenders, Deutschland / Frankreich 1976, 126 Min., FSK: ab 16)

 

Diese Adaption des Kriminalromans RIPLEY´S GAME von Patricia Highsmith ist einer der besten Filme des Neuen Deutschen Kinos der 70er Jahre. Der um seine ökonomische und physische Existens kämpfender Hamburger Bilderrahmenmacher Jonathan Zimmermann (Bruno Ganz) begeht gegen hohe Bezahlung zwei Morde, nachdem er erfahren hat, dass er tödlich erkrankt ist. Wenders präzise Beschreibung der subjektiven Erfahrung von Realität kann als eine seiner besten filmischen Leistung gewertet werden, sie ebnete ihm den Weg nach Hollywood.  

Der Handwerker lebt mit seiner Familie in Hamburg, wo er auch seine Werkstatt hat. Zimmermann lässt sich auf ein obskures Angebot ein: Für 250.000 Mark soll er nach Paris reisen, um dort einen Mafiakiller zu töten. Steckt hinter diesem Auftrag möglicherweise Jonathans neuer Bekannter, der enigmatische Tom Ripley (Dennis Hopper)?. Zimmermann nimmt den Auftrag an, weil er mit dem Geld eine medizinische Behandlung finanzieren will. Doch kaum hat er den Auftragsmord erfolgreich durchgeführt – den er nur überlebt, weil Minots Partner Ripley ihm hilft – verlangt Minot einen zweiten. Minots Syndikat hält Ripley, „den amerikanischen Freund“ für einen Verräter und macht Jagd auf ihn. Jonathans Freundschaft mit Ripley verwandelt sich somit in einen tödlichen Pakt.

Ganz und Hopper stellen die zwei differenzierten Charaktere mehr als glaubwürdig und eindrucksvoll dar. Anekdotisches am Rande: Anekdotisches am Rande: Wim Wenders besetzte einige Nebenrollen mit Regie-Kollegen („weil das die einzigen Gauner sind, die ich kenne“): Jean Eustache, Samuel Fuller, Nicholas Ray, Daniel Schmid, Peter Lilienthal. Er selbst wirkte als Komparse mit.

,,Mit dem „Amerikanischen Freund“ ist Wenders eine Synthese gelungen, die das neue deutsche Kino dringender braucht als irgend etwas sonst: die Verbindung einer zwingenden persönlichen Vision mit einem kinematographischen Vokabular, das nicht nur ein kleines Publikum von Spezialisten erreicht. Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewusstseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen. Ich habe den Film „Der amerikanische Freund“ dreimal gesehen. Ich werde ihn noch oft sehen.“ (Hans C. Blumenberg, Die Zeit 1977)

Wenders' Beschreibung subjektiver Realitätserfahrung gehört zu den besten Leistungen des jungen deutschen Films der 1970er Jahre. Verweise auf das amerikanische Action-Kino verbinden sich mit einem hohen Maß an handwerklicher Sorgfalt und filmischem Können.“ (Lexikon des internationalen Films)

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_amerikanische_Freund

 

Palermo Shooting

(Regie: Wim Wenders, Deutschland / Italien 2008, 108 Min., FSK: ab 12)

Promi-Fotograf Finn (Camoino) lebt in einer hektischen wie hippen Welt, in der Stars und Sternchen ihm alle Türen öffnen. Als er mit seinem Sportboliden nur knapp einem lebensgefährlichen Unfall entgeht, fängt er an, sein Leben zu überdenken. Und begibt sich als ausgebrannter und erfolgreicher Szene-Fotograf auf die Suche nach sich selbst: Kurzentschlossen reist er ins sizilianische Palermo, ins Reich der Träume und Alpträume, um einen Neuanfang zu wagen. Er trifft auf den legendären Dennis Hopper als „müder Tod“, der ihn noch einmal laufen lässt, und die geheimnisvoll-hinreißende Flavia (Giovanna Mezzogiorno), die in ihm neue Lebensgeister weckt.

Ein romantischer Thriller von Wim Wenders (gewidmet Ingmar Bergman und Michelangelo Antonioni, die Wenders als seine Vorbilder betrachtet), der nach zwölf Jahren erstmals wieder in Deutschland drehte, in dem Tote-Hosen-Sänger Campino sein Schauspieldebüt gibt und Dennis Hopper nach „Der amerikanische Freund“ wieder für Wenders auftritt. Musik spielt eine große Rolle in diesem Aussteigerdrama eines Fremden in einem fremden Land, da sich nach Wenders Auffassung die populäre Musik wesentlich mutiger und tiefergehender mit der Sinnsuche befasst, als es der Spielfilm in den letzten Jahrzehnten getan hat. Laut Wim Wenders „lag die Musik von Anfang an allen Überlegungen zugrunde, sie war schon da, bevor es überhaupt ein Drehbuch gab. Sie war letztlich der Grund, weshalb ich diese Figur des Fotografen Finn und diese Geschichte überhaupt erfinden wollte.“ So sind Tracks von der Würzburger Band Monta, Portishead, Irmin Schmidt (CAN), Calexico, Get Well Soon, The Velvet Underground, Bonnie „Prince“ Billy“, Beth Gibbons u. a. ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte.

Die Orte der Handlung sind Düsseldorf, Palermo und schließlich die Provinzstadt Gangi. Wenders, in Düsseldorf aufgewachsen und zur Schule gegangen, hat zum ersten Mal einen Spielfilm zu einem großen Teil an Düsseldorfer Originalschauplätzen aufgenommen (z. B. Zollverein-Kubus in Essen, Zeche Zollverein. Die Kneipenszene mit Lou Reed entstand im Neusser „Em Schwatte Päd“, dem ältesten Gasthaus am Niederrhein. Auf Sizilien wurde außer in der Altstadt von Palermo in der tausend Meter hoch gelegenen Ortschaft Gangi gedreht.

,,(…) tolle Musik mit bezaubernden Bildern – und einem Hang zum grobgezimmerten Mysterienspiel (…) die Kunst des Filmemachers, dass er ein starres, tausend mal mit dem immer gleichen Blaff-Ausdruck hergezeigtes Antlitz wie das des Tote-Hosen-Sängers Campino wieder interessant und geheimnisvoll und lebendig erscheinen lässt, als sähe man’s praktisch zum ersten Mal.“ (Der Spiegel)

(…) ein reißender Strom auf die Mühlen all derer, die Wim Wenders seit Jahr und Tag ankreiden, er könne keine Geschichten erzählen und könne seine verkanteten und bedeutungsschwangeren Bilder nur dann mit Leben füllen, wenn er einen ordentlichen Song auf dem Soundtrack habe, der den Rhythmus vorgibt“ (Musikexpress)

(…) die Begegnung mit dem Tod, die die typische Wenders-Bewegung in Gang setzt: weg von den Oberflächenbildern, hin zu den Bildern, die berühren und ein „Dahinter“ suchen. PALERMO SHOOTING ist eine wunderbare Erkundung von Campinos Gesicht. Bislang hat sich kein Wenders-Film derart auf ein Gesicht konzentriert. Zuerst zeigt es die manisch-depressiven Stimmungswechsel, wobei die misstrauisch hochgezogenen Augenbrauen dominieren. In Palermo dann treten die weicheren Züge hervor: das jungenhafte Lächeln, der gelassene und staunende Blick.“ (Südeutsche Zeitung)

http://de.wikipedia.org/wiki/Palermo_Shooting