Songs & Soundtüfteleien

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A.Spell und Jon Hassell beeindrucken beim Würzburger Hafensommer

 

„Songs & Sounds aus einem eigenen Universum – mal sanft, mal laut, leicht verwirrend und im besten Sinne telepathisch“ – so wird das Trio um die Sängerin und Akkordeonistin Nadja Stroller im Programmheft beschrieben. Was darf man sich denn bitteschön darunter vorstellen?

 

Das Trio kommt nach kurzer Ankündigung durch den künstlerischen Leiter des Hafensommers, Jürgen Königer, kurz nach 20:00 auf die Bühne – und begeistert. Ihre Lust am Experiment tragen zumindest Nadja und Jan auch auf der Haut. Der Anzug mit riesigen Schlaghosen des Bassklarinettisten und Elektrotüftlers Jan Galega Brönnimann ist ja sowas von „out of fashion“. Dass er mit Künstler wie  Nils Petter Molvær, letztes Jahr zu Gast beim Hafensommer Würzburg, zusammengearbeitet hat, ist unüberhörbar. Die Songs, die zusammen mit dem Dritten im Bunde, dem Percussionisten Ronan Skillen aus Cape Town, Südafrika auf der Bühne entstehen, sind aufregend und sehr originell. Dazu die klare Stimme von Nadja Stoller, die auch die wunderbaren Ansagen zwischen den Songs zum Genuß machen.

 

Kaum vorstellbar, dass es Dupletten auf ihrem Tonträger „Where The Strange Creatures Live“ geben soll. Großartiger und sehr erfrischender gut einstündiger Auftritt dieses Bandprojektes, dessen Bekanntheitsgrad auch in unseren Breiten bald steigen dürfte, vielleicht auch gerade deshalb, weil  die Band wirklich schwer zu fassen und in bekannte Schubladen zu stecken ist.

 

„Strange Creatures“ mit Headquarter in der Schweiz.

 

Band

Nadja Stoller – Gesang, Akkordeon

Jan Galega Brönnimann – Bassklarinette

Ronan Skillen – Percussion

 

 

Mit Jon Hassell steht zumindest für mich ein vermutetes „Highlight“ des  diesjährigen Hafensommers auf der neuen Bühne, die  über die  Anordnung der Bandmitglieder sehr viel Raum in ihrer Mitte lässt. Jon Hassell hat sich ganz in den Scheitelpunkt der Halbkreis-Formation – somit also ganz weit nach hinten – zurückgezogen. Außer Peter Freeman, dem Bassisten, sitzen alle.

 

Es ist im weitesten Sinne Ambiente-Musik, die man auch gerne mit geschlossenen Augen geniessen kann. Keine Show-Effekte, kein wahrnehmbarer – in irgendeiner Form normal menschlicher – Kontakt der Künstler mit dem leider heute außerordentlich überschaubaren Auditorium. Alles passiert über das Medium der in den Abendhimmel hineingemalten Töne. Die von Jon Hassell  punktuell eingesetzte Trompete ist auch nur ein kleiner, wenngleich wichtiger, Baustein im Universum dieser Klangarchitektengruppe.

 

Warum haben sich aber nur so wenig Zuhörer auf den Mainwiesen eingefunden? An mangelner Promotion hat es sicherlich nicht gelegen. Auch ist Jon Hassell nicht kurzfristig in das Programm aufgenommen worden. Das unbeständig erscheinende Wetter vielleicht? Kann ich mir auch kaum vorstellen. Ein Jon-Hassell-Konzert besucht man im Regelfall „vorsätzlich“, also geplant und nicht spontan. Hier müssten schon an Katastrophenmeldungen heranreichende Wetterprognosen ausschlag-gebend sein.

 

Die „Sketches Of The Mediterranean – Summerthrill“ waren somit nur einem kleinen Zuhörerkreis vorbehalten, der sie allerdings sichtlich genossen hat.

 

Zugabewünsche hat der „Spiritus rector“ der neuen Generation von Trompetenspielern wie Nils Petter Molvær (der Schwede bildete heute Abend die inhaltliche Klammer der beiden „Acts“) und der nachhaltige Impulsgeber für Künstler wie Brian Eno und Peter Gabriel, unter anderem mit Hinweis auf die aktuelle Wettersituation, die so dramtisch allerdings nicht war, leider nicht erfüllt.

 

Gerade einmal siebzig Minuten lang zeichnete das Quartett seine Soundscapes in den Nachthimmel von Würzburg, aus dem heute Abend tatsächlich auch einige harmlose Regentropfen gefallen sind.

 

Band

Jon Hassell – Trumpet, Keyboard

Rick Cox – Guitar, Electronics

Peter Freeman – Bass, Electronics

Kheir Eddine M’Kachiche – Violin

 

© Gerald Langer Würzburg (music-on-net)

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