ONJ – Reverse Playback im Trockendock

Fotos: Hafensommer

Äähh, bitte was? Also hier folgt die Auflösung. „Trockendock“ – gemeint ist die Posthalle, die dem Hafensommer-Festival als Ausweichstätte dient, falls Petrus mal die Himmelsschleusen zu weit geöffnet hat (Dauerregen), was beim Konzert von ONJ (L’Orchestre National de Jazz) am Donnerstag leider der Fall war. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn ONJ auf der Hafenbühne gespielt hätten, aber man muss festhalten, dass sich das Trockendock als hervorragender Ersatz für das Schwimmdock (Hafenbühne) erwiesen hat.

Nun zu ONJ. Gleich zu Beginn erläuterte Daniel Yvinec, der künstlerische Leiter des Orchesters, was an diesem Abend anders laufen wird: Der Gesang kommt aus der Dose und das Orchester spielt live dazu – „Reverse Playback“ sozusagen, denn normalerweise wird beim Playback live gesungen und die Musik kommt vom Band. Was folgte war eine kurzweilige Reise durch das Werk Robert Wyatts, das ONJ auf geniale Art und Weise interpretierte. „Around Robert Wyatt“, so der Titel des Programms, war einfach spitzenmäßig. Melodisch, melancholisch, jazzig, poppig, psychedelisch, ruhig, explosiv, manchmal leicht durchgeknallt – alle Facetten des britischen Komponisten wurden von den 10 exzellenten Musikern hervorragend in Szene gesetzt.

Wer bei dieser Musik nicht schon in anderen Sphären schwebte, den mussten spätestens die Videoclips, die per Beamer an die Wand geworfen wurden, in tranceartige Zustände versetzen. Musik und Visualisierung ergänzten sich perfekt. Insgesamt gesehen ein toller Abend, auch für diejenigen, die mit „Softmachine und Co“ sonst nicht all zuviel anfangen können. Jürgen Königer hatte mit seinem „Geheimtipp“ recht, dachte ich mir während des fast nicht aufzuhören wollenden Applauses des Publikums: Das war wirklich ein (oder vielleicht das?) Highlight des Hafensommers!

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